Digitale
Souveranität
Wer hat eigentlich die Kontrolle über unsere digitale Welt?
Unsere Daten liegen in internationalen Clouds, unsere Kommunikation läuft über globale Plattformen und künstliche Intelligenz stammt häufig von wenigen grossen Technologieunternehmen.
Das funktioniert erstaunlich gut. Zumindest solange die Anbieter verfügbar bleiben und niemand plötzlich die Spielregeln ändert.
Digitale Souveränität bedeutet nicht, alles selbst entwickeln zu müssen. Sondern die Kontrolle und Handlungsfähigkeit im digitalen Raum zu behalten.
Was bedeutet digitale Souveränität?
Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit von Staaten, Unternehmen und Menschen, selbstbestimmt über Daten, Technologien und digitale Infrastrukturen zu entscheiden.
Der Schweizer Bundesrat definiert sie in seinem Bericht vom November 2025 als die notwendige Kontroll- und Handlungsfähigkeit, damit der Staat seine Aufgaben auch im digitalen Raum erfüllen kann.
Drei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:
Kontrolle: Wer hat Zugriff auf unsere Daten und digitalen Systeme?
Abhängigkeit: Wie stark sind wir von einzelnen Technologieunternehmen und Staaten abhängig?
Handlungsfähigkeit: Können wir bei Ausfällen, Cyberangriffen oder politischen Konflikten weiterhin funktionieren?
Warum ist das wichtig?
Die digitale Welt wird zunehmend von wenigen grossen Technologieunternehmen geprägt. Cloud-Dienste, KI-Modelle und Software stammen häufig von denselben Anbietern.
Eine Untersuchung von Xorlab aus dem Jahr 2026 zeigt die Herausforderungen:
34 % der befragten Sicherheitsverantwortlichen wissen bei allen fünf wichtigsten Dienstleistern genau, wo ihre Daten verarbeitet werden und wer darauf zugreift.
93 % befürchten Zugriffe ausländischer Behörden auf ihre Daten.
58 % erwarten bei einem hypothetischen Wegfall amerikanischer Anbieter innerhalb von vier Wochen erhebliche Störungen.
Das Problem ist also nicht nur die Abhängigkeit selbst, sondern häufig die fehlende Transparenz darüber.
Wie lässt sich digitale Souveränität stärken?
Offene Standards: Systeme miteinander verbinden und Anbieterwechsel ermöglichen.
Open Source: Technologien unabhängig überprüfen und weiterentwickeln können.
Datenkontrolle: Wissen, wo Daten verarbeitet werden und wer darauf zugreift.
Digitale Identitäten: Identitäten und Zugriffsrechte sicher und selbstbestimmt verwalten.
Ausfallsicherheit: Alternativen schaffen und kritische Abhängigkeiten reduzieren.
Die Schweiz verfolgt unter anderem mit Open Source, einer Multi-Cloud-Strategie, der E-ID und vertrauenswürdigen Datenräumen entsprechende Ansätze.
Und was verändert KI?
Mit KI entstehen neue Abhängigkeiten. Nicht mehr nur Daten und Infrastrukturen müssen kontrollierbar bleiben, sondern zunehmend auch automatisierte Entscheidungen und Handlungen.
Wer entscheidet, was ein KI-System tun darf? Wer übernimmt die Verantwortung? Und wie lässt sich nachvollziehen, was tatsächlich passiert ist?
Damit werden Transparenz, digitale Identitäten und überprüfbare Prozesse zu zentralen Voraussetzungen digitaler Souveränität.