Footbloc X
Bollettino

Blockchain bei YB: Zwischen Innovation und Hype

Für die Ausgabe 04/2026 des Bollettino, dem Magazin des BSC Young Boys, entstand ein Artikel über Blockchain im Fussball. Von Fan-Tokens und NFTs bis zum digitalen Ticketing: Welche Projekte hat YB umgesetzt, was bleibt vom Hype und wo schafft die Technologie tatsächlich einen Mehrwert?

Blockchain bei YB: Fanbindung zwischen Innovation und Hype

Bollettino, Ausgabe 04 | März 2026, Seiten 44–47

Blockchain bei YB: Zwischen Innovation und Hype

Für die Ausgabe 04/2026 des Bollettino, dem Magazin des BSC Young Boys, entstand ein Artikel über Blockchain im Fussball. Von Fan-Tokens und NFTs bis zum digitalen Ticketing: Welche Projekte hat YB umgesetzt, was bleibt vom Hype und wo schafft die Technologie tatsächlich einen Mehrwert?

Blockchain bei YB: Fanbindung zwischen Innovation und Hype

Bollettino, Ausgabe 04 | März 2026, Seiten 44–47

Die Young Boys gehörten zu den ersten Fussballclubs im deutschsprachigen Raum, die früh eine führende Rolle bei der Erprobung von Blockchain-Technologie als Instrument zur digitalen Fanbindung übernommen haben. Während die öffentliche Aufmerksamkeit für Fan-Tokens und NFT-Autogrammkarten inzwischen deutlich nachgelassen hat und der anfängliche Hype verflogen ist, wird die zugrunde liegende Technologie weiterhin genutzt, allerdings weniger sichtbar als zu Beginn und zunehmend im Hintergrund.

Der BSC Young Boys begann sein Engagement im Blockchain-Umfeld mit einer Partnerschaft mit Socios. Im Rahmen dieses Ansatzes erhielten Fans über sogenannte Fan-Tokens die Möglichkeit, an offiziellen clubbezogenen Umfragen teilzunehmen. Im Jahr 2021 wurde dieses Engagement durch ein weiteres Projekt ergänzt: Die Lancierung von NFTs in Form digitaler Sammel- und Autogrammkarten, die auf Blockchain-Technologie basieren. Beide Initiativen lassen sich als digitale Innovationsprojekte verstehen, die neue Formen der Fanpartizipation erproben, die Fanbindung durch zusätzliche digitale Angebote stärken und zugleich potenzielle neue Erlösquellen erschliessen.

Die neuen Möglichkeiten gingen jedoch auch mit Spannungen einher. Ein grosser Teil der Anhängerschaft bewertete sowohl die Vermarktung von Mitbestimmungselementen als auch den Verkauf rein digitaler Güter kritisch.

Inzwischen ist die öffentliche Aufmerksamkeit für Fan-Tokens und NFT-Autogrammkarten deutlich zurückgegangen, sodass die Blockchain-Technologie im Kontext der Fankommunikation weniger im Vordergrund steht. Gleichwohl verfolgt der Club weiterhin digitale Vorhaben auf Basis dieser Technologie, unter anderem in Form des kostenlosen Pitch Game. Im Folgenden werden die wichtigsten Blockchain-Anwendungen von YB vorgestellt und teilweise auch kritisch beleuchtet.

Erste Gehversuche: YB-Fan-Tokens

Im Jahr 2020 startete YB als erster Club im deutschsprachigen Raum eine Partnerschaft mit Socios. Ziel war es, digitale Formen der Fan-Partizipation zu testen. Dazu wurden die YB-Fan-Tokens (SYBO) eingeführt. Fans konnten damit an offiziellen Clubumfragen teilnehmen und interaktive Formate in der App nutzen. Socios ist dabei der Anbieter, der die Fan-Tokens technisch bereitstellt und als Plattform Fan-Tokens für eine Vielzahl internationaler Sportorganisationen führt, darunter beispielsweise Paris Saint Germain und der FC Barcelona. Socios positioniert dieses Angebot auf der eigenen Website explizit als Fan-Engagement-Lösung, bei der Token als digitaler Zugangsschlüssel für Abstimmungen, Interaktionen und Belohnungen dienen. Aus Schweizer Perspektive bleibt der BSC YB in diesem Modell bislang eine Ausnahme, obwohl grundsätzlich Interesse von anderen Vereinen vorhanden war.

NFT-Autogrammkarten – Die digitalen Panini

Nach der Einführung der Fan-Tokens im Jahr 2020 lancierte YB im darauffolgenden Jahr ein weiteres digitales Projekt auf Basis der Blockchain-Technologie: Non Fungible Tokens (NFTs). Diese Form digitaler Sammelobjekte erlangte zeitweise nicht nur in der Kryptoszene, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit erhebliche Aufmerksamkeit. Seit der Saison 2021/22 bietet der Club über die eigene Website jeweils saisonal digitale Autogrammkarten von Spielern an, die gesammelt, nach dem Erwerb auf digitalen Marktplätzen weiterverkauft und gehandelt werden können. Auch zu Beginn der laufenden Saison waren entsprechende NFTs erneut erhältlich.

Der Zugang zur digitalen NFT-Plattform von YB erfolgt über ein Krypto-Wallet, das mit einer E-Mail-Adresse eingerichtet wird und als zentraler Aufbewahrungsort für die digitalen Sammelstücke dient. Darüber erhalten Fans Zugang zu einer persönlichen Übersicht, in der ihre digitalen Objekte verwaltet und kategorisiert werden. Dafür erhalten sie Punkte sowie Belohnungen. Zusätzlich gibt es einen Handelsplatz, auf dem die NFTs gekauft und verkauft werden können, etwa um fehlende Spielerkarten zu ergänzen oder doppelte Exemplare weiterzugeben. Neue Spielerkarten einer Saison werden ausserdem im Erstverkauf direkt durch den Club ausgegeben, teilweise in unterschiedlichen Seltenheitsstufen. Neben den digitalen Autogrammkarten hat YB auch weitere NFTs angeboten, darunter etwa die «Ybee's» mit Bienenmotiven.

Ticket-App

Der BSC Young Boys setzte ab 2023 auf eine Ticketlösung, mit dem Ziel, die rechtmässige Inhaberschaft eines Tickets klarer festzuhalten und die zulässige Weitergabe einfacher zu machen. Gleichzeitig soll damit der Schwarzmarkt für Tickets reduziert werden. Laut den Angaben auf der Website des Clubs wird dafür im Ticketservice eine cloudbasierte Lösung von SecuTix eingesetzt. SecuTix wiederum kommuniziert auf der eigenen Website, dass YB hierfür die mobile Lösung TIXNGO nutzt, um das Ticketing insgesamt sicherer und benutzerfreundlicher zu gestalten. Die Tickets sind dabei personalisiert und werden laufend mit einem aktualisierten Zugangscode bereitgestellt, was Fälschungen und unkontrollierte Weitergabe erschweren soll. Die zugrunde liegende Blockchain-Technologie dient dabei vor allem dazu, die Echtheit und Zuordnung der digitalen Tickets verlässlich abzusichern.

Pitch Game

Mit dem Pitch Game ermöglicht YB seinen Fans eine digitale Beteiligung am Spielgeschehen im Stadion Wankdorf, indem sie zu Beginn der aktuellen Saison kostenlos ein eigenes virtuelles Rasenstück reservieren konnten. Dieses Rasenstück wird technisch als NFT abgebildet und auf einer Blockchain gespeichert, wodurch Besitz und Zuordnung eindeutig festgelegt sind. Die Ereignisse, die sich während der Heimspiele der ersten Mannschaft auf diesem Feld abspielen, etwa Tore, Pässe oder Zweikämpfe, werden in ein Punktesystem übersetzt. Auf dieser Grundlage zeichnet YB die besten Felder pro Saisonhälfte aus und vergibt Preise wie Saisonkarten, signierte Trikots, Merchandise oder exklusive Fan-Erlebnisse. Zusätzlich werden bei ausgewählten Spielen besondere Schlüsselszenen definiert, die einzelnen Feldern zusätzliche Spezialpreise ermöglichen.

TFC: Vom Hype zum Aus

The Football Club (TFC) war ein in München gegründetes Web3- und NFT-Startup, das von den Machern des Bundesliga-Fantasy-Spiels Kickbase initiiert wurde. Das Projekt verfolgte das Ziel, ein digitales Fussball-Ökosystem mit Avataren, lizenzierten digitalen Sammelobjekten und Wettbewerben aufzubauen. Kernstück sollte ein Fussballmanager-Spiel sein, dessen Erlösmodell stark auf dem Verkauf von NFTs basierte. Insgesamt flossen dafür rund 2,5 Millionen Euro an Investitionen in das Projekt, unter anderem von prominenten Geldgebern wie Joshua Kimmich. Auch der BSC Young Boys gehörte zu den frühen Vereinen, die sich beteiligten, neben Clubs aus der Bundesliga sowie aus der kroatischen Liga HNL.

Im April 2023 wurde das Angebot abrupt eingestellt. Für viele Nutzerinnen und Nutzer hatte das unmittelbare Folgen: Digitale Sammelobjekte und andere In-Game-Items verloren praktisch von einem Tag auf den anderen ihren Nutzen und damit auch ihren Marktwert. In einem offiziellen Statement begründete das Unternehmen das Scheitern vor allem mit der deutlich verschlechterten Marktlage für Blockchain-Projekte sowie dem Ausbleiben geplanter Finanzierungsrunden nach dem kurzfristigen Rückzug eines Hauptinvestors. In der öffentlichen Diskussion wird darüber hinaus häufig angeführt, dass ein langfristig tragfähiger Produktnutzen für die Zielgruppe gefehlt habe und das Projekt insgesamt zu ambitioniert angelegt gewesen sei. Vereinzelt wurden auch weitere mögliche Gründe diskutiert. Da diese jedoch nicht verlässlich verifiziert werden konnten, werden sie hier nicht weiter ausgeführt.

Kritikpunkte der Fans

Hört man sich im Umfeld der Fans um, wird im Zusammenhang mit blockchainbasierten Angeboten häufig Kritik geäussert. Viele Fans nehmen wahr, dass der Club die emotionale Bindung zunehmend über digitale Produkte monetarisiert und damit die Beziehung zwischen Verein und Anhängerschaft stärker kommerzialisiert. Zudem wird bemängelt, dass zahlreiche digitale Angebote im Alltag nur einen begrenzten Mehrwert gegenüber bestehenden Fanleistungen bieten und daher eher wie Marketingmassnahmen wirken. Wiederholt wird auch darauf hingewiesen, dass die versprochene Mitbestimmung oft vor allem symbolischen Charakter hat und nur selten Entscheidungen betrifft, die für den Verein wirklich relevant sind. Hinzu kommen Vorbehalte gegenüber der Nähe zu Kryptothemen sowie technische Hürden und Sicherheitsängste, die einzelne Fans abschrecken oder überfordern können. Schliesslich wird die Passung zur Club-Identität hinterfragt, wenn solche Aktionen als wenig authentisch wahrgenommen werden und eher den Eindruck kurzfristiger Geldmacherei statt langfristiger Fanbindung erzeugen.

Fazit

Der BSC Young Boys hat früh mit Blockchain-Anwendungen experimentiert, von Fan-Tokens und NFTs bis hin zu Ticketing und dem Pitch Game. Dabei zeigt sich: Innovation ist möglich, aber Akzeptanz entsteht nur, wenn der Nutzen für die breite Fangemeinschaft klar erkennbar ist und nicht primär als Monetarisierung emotionaler Bindung wahrgenommen wird.

Die Kritik vieler Fans macht deutlich, dass digitale Mitbestimmung oft als symbolisch gilt und NFTs oder Tokens schnell den Eindruck von Marketing statt echtem Mehrwert erzeugen. Der Konkurs von TFC unterstreicht zudem ein zentrales Risiko solcher Modelle. Wenn digitale Güter an einzelne Plattformen und volatile Finanzierungslogiken gebunden sind, können Fans bei einem abrupten Ende faktisch auf wertlosen Items sitzen bleiben.

Insgesamt hat sich der Hype gelegt. Zukunftsfähig wirken vor allem Anwendungen, bei denen Blockchain im Hintergrund konkrete Probleme löst, etwa beim Ticketing oder bei fair gestalteten, kostenlosen Fanformaten. Entscheidend ist, dass Technik die Fanbeziehung stärkt, statt sie zu belasten.

Infoboxen

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain ist eine digitale Datenbank, die nicht an einem Ort liegt, sondern dezentral von vielen Computern gleichzeitig geführt wird. Informationen werden dabei in Datenblöcken gespeichert, die chronologisch aneinandergehängt sind. Durch diese Struktur bleibt keine nachträgliche Änderung unbemerkt, da jede Anpassung für alle Beteiligten sichtbar wäre. Weil alle Teilnehmenden eine Kopie derselben Kette besitzen und neue Einträge gemeinsam überprüft werden, entsteht Vertrauen durch Technik statt durch eine zentrale Instanz wie eine Bank. So können digitale Werte direkt zwischen Personen übertragen werden, etwa bei Kryptowährungen und auch digitale Objekte wie NFTs werden auf einer Blockchain eindeutig registriert und nachvollziehbar verwaltet.

Was genau sind Fan-Tokens?

Fan-Tokens sind blockchainbasierte digitale Token, die Fans innerhalb eines Vereinsangebots bestimmte Nutzungsrechte geben, insbesondere die Teilnahme an offiziellen Clubumfragen und damit begrenzte Formen digitaler Mitbestimmung. Sie werden typischerweise über Plattformen wie Socios genutzt und sind vereinsbezogen sowie in der Regel in begrenzter Anzahl verfügbar. Zusätzlich können Fan-Tokens den Zugang zu Belohnungen und exklusiven Erlebnissen ermöglichen, etwa zu VIP-Tickets, Gewinnspielen oder Fan Rewards. Technisch werden sie über eine Blockchain ausgegeben, wodurch Besitz und Übertragbarkeit digital nachvollziehbar abgebildet werden. Damit unterscheiden sie sich von klassischen Kryptowährungen, weil ihr Zweck primär in der Nutzung innerhalb des jeweiligen Fan-Ökosystems liegt und nicht als allgemeines Zahlungsmittel (Utility Token statt Payment Token).

Was ist ein Non-Fungible Token (NFT)?

Ein NFT ist ein einzigartiger digitaler Besitznachweis, der auf einer Blockchain gespeichert wird und Eigentum sowie Echtheit eines bestimmten digitalen oder physischen Objekts dokumentiert. Im Unterschied zu austauschbaren Tokens ist ein NFT nicht ersetzbar, weil jedes Exemplar individuell ist. Damit unterscheidet er sich von Fan-Tokens, die in der Regel untereinander austauschbar sind und vor allem als Zugangs- oder Stimmrecht für Fanaktionen dienen. NFTs werden häufig für digitale Sammlerstücke, Kunstwerke oder Zertifikate genutzt, etwa als digitale Fussballkarte, die einem bestimmten Besitzer eindeutig zugeordnet ist.